Quartierverein Kurzdorf staunt über Geschichte (1799 - Frauenfeld gerät zwischen die Fronten)

Bei ausnahmsweise sonnigen Verhältnissen besammelte sich am 16.Juni 24 eine Gruppe Kurzdorfer (die Führung war mit 40 Personen ausgebucht!) vor dem Schloss Frauenfeld, um sich von Dani Duttweiler, seines Zeichens Kulturvermittler des Historischen Museums Thurgau, über die dramatischen Geschehnisse des Mai 1799 informieren zu lassen.

Höchst kurzweilig führte uns Herr Duttweiler in diese aufregende Zeit vor 225 Jahren, als in der jungen Hauptstadt des neuen Canton Thurgau ein grün-rot-gelber Freiheitsbaum aufgestellt worden war, die 13 Alten Orte und mit ihr die bisherigen Hierarchien der Alten Eidgenossenschaft weggefegt und durch Liberté, Egalité und Fraternité ersetzt worden waren.

Im Gerichtssaal von Schloss Frauenfeld erfuhren die Anwesenden anschaulich mit Hilfe alter Karten, wie Frauenfeld damals war – unser Kurzdorf war wirklich ein kurzes Dorf, weit weg von der Stadt, und Frauenfeld, damals nach zwei Stadtbränden wiederaufgebaut, nachgerade eine moderne, rund 1000 Einwohner beherbergende Stadt! Ein Ausschnitt aus der fiktiven Nachrichtensendung ‘Helvetische Rundschau’ informierte zur militärischen Lage der Stadt, die im Zweiten Koalitionskrieg 1799 zwischen die Fronten der französisch-helvetischen und der österreichischen Truppen geriet. Im folgenden Rundgang durch die Altstadt erfuhren wir in der Hindergass, der heutigen Freie Strasse, von Babette Weiteres zur Lage der Stadtbevölkerung. Sie berichtete genervt von überrissenen Erwartungen der dannzumal bei den Stadtbewohnern einquartierten «Franken»: täglich wollten diese unseligen Kostgänger Fleisch serviert bekommen, zudem könnten sie ihre Finger nicht im Zaum halten und obendrein schimpften sie über das für die Frauenfelder Bevölkerung ohnehin schon nur mühsam zu beschaffende knappe Angebot! Vor dem Berner Haus demonstrierte Jean-Pierre, im Gewand eines Fusssoldaten, wie damals ein Gewehr für den Schuss geladen wurde (maximal 2 Schuss pro Minute mit nur ungewisser Zielgenauigkeit) und wie dieser Vorderlader dann mit aufgesetztem Bajonett zur richtig gefährlichen Waffe für den Nahkampf wurde.

Zurück in der Schlossremise wurden uns unterdessen voll in die Geschichte eingetauchten Zuhörenden anhand von gut gewählten Karten und herumgereichten Gewehr- und Kanonenkugeln die verheerenden Geschehnisse des 25.Mai 1799, denen Generalleutnant Johannes Weber und über 500 Soldaten zum Opfer fielen, aufgezeigt.

Wieder vor dem Schloss hatten wir alle eine neue Sicht von unserer Stadt!